Harald Königs

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Querflöte

Das Prinzip

Wenn Du das Ende eines Flaschenhalses mittig unter die Unterlippe an den Mund setzt und über den Flaschenhals hinweg bläst, kann ein Ton entstehen. Nach diesem Klangerzeugungsprinzip funktioniert eine Querflöte.

Der Anfang

So kann vor mehr als 20.000 Jahren jemand in das offene Ende eines hohlen Knochens oder Tierhorns geblasen haben und - überrascht von seinem ersten Ton - fasziniert gewesen sein. Die Flöten gehören wohl zu den ältesten Instrumenten. Sie wurden aus Knochen, Holz, Ton und später aus Metall gefertigt.

Die Querflöte in der Renaissance

In der Renaissance-Zeit (ungefähr um die Mitte des 15. Jahrhunderts bis ca. 1600) waren die Querflöten aus Holz und zylindrisch gebohrt. Sie wurden meist aus einem Stück gefertigt und hatten 6 Löcher zum Verändern der Tonhöhe. Diese durften nur einen kleinen Durchmesser haben, damit sie mit den Fingern vollständig geschlossen werden konnten. Der Abstand der Löcher zueinander durfte auch nicht zu groß sein, damit die Löcher mit den Fingern erreicht werden konnten. Dadurch waren die Instrumentengröße und der Tonumfang der Instrumente begrenzt.

Die Querflöte ab dem Barockzeitalter

Die erste Klappe (für dis/es) wurde an der so genannten Traversflöte zum Ende des 17. Jahrhunderts angebracht. Die Flöten wurden aus drei Teilen gefertigt: Kopfstück mit Blasloch, Mittelstück und Fußstück. Die Bohrung war leicht konisch. Der Durchmesser nahm vom Kopf- zum Fußstück ab.
Die Ensembles, in denen Querflöten eingesetzt wurden, wurden größer und die Musik damit lauter. Um an Lautstärke und Durchsetzungskraft zu gewinnen, wurden an den Flöten immer mehr Klappen angebracht. Der Innendurchmesser der Bohrung und auch der Bohrungen für die Klappenmechanik wurde vergrößert, wodurch die Flöte an Lautstärke gewann. Das machte einen höheren Luftverbrauch erforderlich und die Stimmung war schwerer zu kontrollieren.

Die Querflöte heute

Bei den heute gespielten Querflöten werden die Tonlöcher nach akustischen Gesichtspunkten gefertigt. Sie bestehen aus drei Teilen: dem Kopfstück, dem Mittelteil und dem Fußstück. Die Bohrung ist wieder zylindrisch. Durch das Klappensystem ist chromatisches Spielen möglich. Die Instrumente können sehr groß sein, weil die Klappen die Tonlöcher schließen und nicht mehr die Fingerspitzen. Die Mechanik erlaubt es, dass die Klappen weiter auseinanderliegen, als sie mit den Fingern erreichbar sind. Der Tonumfang ist größer als drei Oktaven. Diese Bauweise wurde von Theobald Böhm zwischen 1830 und 1840 entwickelt. Diese Flöte wird auch gerne Böhmflöte genannt.

Die Querflötenfamilie

Zur Querflötenfamilie gehören Piccoloflöte, kleine Flöte in F, große Flöte in C (siehe Abbildung), Altflöte in G, Tenorflöte in A oder Bb, Bassflöte in C, Kontra-Altflöte in G, Kontrabassflöte in C und die Subkontrabassflöte (eine Oktave tiefer als die Kontrabassflöte).

Auf dem Blog-Beitrag "Bolero-Video" sind Piccoloflöte, Große Flöte, Alt- und Bassquerflöte zu sehen und zu hören.

Das Kopfstück

Auf dem Kopfstück befindet sich die Mundplatte mit dem Blasloch. Kopfstücke gibt es nicht nur in gerader, sondern auch in gebogener Form. Durch die Biegung des Kopfstückes wird die Flöte kleiner, ohne dass die Rohrlänge beeinflusst wird. Das Instrument ist dann einfacher zu halten und zu greifen. Die Biegung ist bei großen, tieferen Flöten wie z.B. der Bassflöte notwendig. Für Kinder, die mit dem Flötenspiel beginnen, ist ein gebogener Flötenkopf bei der großen Flöte oft empfehlenswert.

Das Mittelstück mit dem Klappensystem

Die Anordnung der Klappen kann in einer Linie erfolgen oder aber die G-Klappe in Richtung des linken Ringfingers vorgezogen sein. Je nach Körpergröße ist das vorgezogene System zu empfehlen. Die Klappen sind entweder geschlossen oder wie Ringe offen. Bei dem geschlossenen Klappensystem betätigen die Finger die Klappen, die dann das Tonloch schließen. Eine sogenannte E-Mechanik erleichtert die Intonation des Tones e3.

Die Ringklappen (meine Empfehlung)

Die offenen Klappen werden Ringklappen genannt. Beim Spielen einer Ringklappenflöte müssen die Arm-, Hand- und Fingerhaltung gut sein. Das kommt einem präzisen Querflötenspiel entgegen. Die Finger müssen beim Betätigen der Klappen die Ringe vollständig verschließen, damit an den Ringen keine Luft entweicht. Durch die Ringklappen ist das Ausatmen nicht nur hörbar, sondern der Luftstrom an den Fingerspitzen auch bei geöffneten Klappen spürbar. Das erhöht die Kontrolle über den Atem und die Fingertechnik. Glissando, Multiphonics und Tonabstände, die kleiner als Halbtonabstände (Mikrointervalle) sind, werden durch die Ringklappen ermöglicht. Die Ansprache der Instrumente ist besser und der Ton ist klangvoller.

Das Fußstück und der H-Fuß

Der tiefste Ton auf der Querflöte ist ein c1. Hat eine Flöte einen H-Fuß, so kann einen Halbton tiefer das kleine h gespielt werden. Die Flöte ist länger und klingt wärmer und kräftiger. Dieses Fußstück wird nur im deutschsprachigen Raum H-Fuß genannt, weil es die Note h nur im deutschsprachigen Raum gibt. Grundsätzlich sind die Noten nach den ersten sieben Buchstaben des Alphabetes benannt, also a b c d e f und g. In England z.B. wird das Fußstück B-Foot genannt.

Musikkultur und Musikstilistik

Flöten werden seit Tausenden von Jahren in sehr vielen Musikkulturen dieser Welt gespielt. Sie werden sehr vielseitig, vom Soloinstrument bis zum Orchesterinstrument in den Bereichen Folk, Klassik, Jazz, Rock- und Popmusik eingesetzt.