Harald Königs

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Klarinette

Die Klarinette gehört innerhalb der Holzblasinstrumente zu den Einfachrohrblattinstrumenten, wie auch das Saxophon. Sie ist ein transponierendes Instrument. Die Geschichte der Einfachrohrblattinstrumente reicht bis in die altägyptische Zeit (das dritte und zweite Jahrtausend v. Chr.) zurück.

Das Chalumeau

Seit Ende des 17. Jahrhunderts ist das Chalumeau, auch Schalmei genannt, nachweisbar. Wie bei einer Klarinette kann bei dem Chalumeau das Rohrblatt vom Mundstück gelöst werden. Es hat acht Grifflöcher, ähnlich der Blockflöte. Ergänzt durch ein oder zwei Klappen konnte der Tonumfang von einer None erweitert werden.

Die Überblasklappe und die Register

Johann Christoph Denner (1655 - 1707) entwickelte um 1700 das Chalumeau weiter und versah es mit einer Überblasklappe. Der Tonumfang des Instrumentes wurde erheblich erweitert und in ein tiefes, ein mittleres und ein hohes Register gegliedert. In den oberen Registern ähnelte der Klang einer Barocktrompete. Hochliegende Trompetenpartien wurden im 17. und 18. Jahrhundert als Clarino bezeichnet. Die Weiterentwicklung des Chalumeaus wurde deshalb Clarinetto (kleine Trompete) genannt. Das tiefe Register der Klarinette heißt heute noch Chalumeau-Register, das Mittel-Register ist das Clarin-Register und das hohe Register heißt Flageolett-Register.

Zur Zeit Mozarts (1756 - 1791) besaß die klassische Klarinette bereits acht Grifflöcher und etwa fünf Klappen. Die Tonlöcher wurden durch Filzpolster an den Klappen abgedeckt.

Das deutsche Griffsystem

Iwan Müller, ein russischer Klarinettist, entwickelte 1812 Polster aus Leder. Diese schlossen im Gegensatz zu den Filzpolstern die Tonlöcher luftdicht ab und bewirkten bei allen Tönen einen sauberen und vollen Klang. Iwan Müller baute seine Klarinetten mit sechs Grifflöchern und dreizehn Klappen. Damit konnte in fast allen Tonarten problemlos gespielt werden. Dem Müller-System, das weltweit Anklang fand, wurden im 19. Jahrhundert noch weitere Klappen hinzugefügt. Dieses System wird heute noch im deutschsprachigen Raum gespielt und deutsches Griffsystem genannt.

Das Oehler-System

Um das Jahr 1900 versetzte Oskar Oehler (1858 - 1936) das Tonloch für den rechten Mittelfinger an die Seite des Instruments. Das Oehler-System ist eine Spezialform des deutschen Systems. Mit einer Bechermechanik versehen und einer Klappe am Schallbecher wird das System Voll-Oehler-System genannt. Diese Klappe verbessert den Klang der tiefen Töne. Deshalb werden die meisten hochwertigen deutschen Klarinetten mit diesem System gebaut. Einfachere Schülerinstrumente besitzen diese Klappe nicht.

Das französische Böhm-System

Hyacinthe Klosé ordnete 1839 die Tonlöcher und die Klappen neu an. Die Berechnungen die Theobald Böhm für den Bau seiner Querflöten erstellt hat, beeinflussten Hyacinthe Klosé und sind die Grundlage für das neue Griffsystem, das er dann Böhm-System nannte. Die Böhmklarinette ist mittlerweile (vom deutschsprachigen Raum abgesehen) international das Standardinstrument.

Im Allgemeinen führen musikalische Bedürfnisse und die Veränderung eines Klangideals zur Veränderung und Weiterentwicklung von Musikinstrumenten. So unterscheiden sich die französische und die deutsche Klarinette nicht nur im Griffsystem. Die französische Klarinette hat eine leichtere Bauweise, ein etwas breiteres Mundstück und längere konisch gebohrte Teile. Der Klang ist obertonreicher. Er kann schärfer wirken und ist flexibler gestaltbar, während die deutsche Klarinette voller und wärmer klingt. Den größten Einfluss auf den Klang haben das Mundstück zusammen mit dem Rohrblatt und das Spielverhalten des Bläsers.

Sowohl die Wahl eines Instrumentes und des Zubehörs als auch das Verhalten des Spielers sind immer von seinen musikalischen und klanglichen Bedürfnissen abhängig.

Die Klarinettenfamilie

Die Bb-Klarinette ist wohl die am meisten gespielte Klarinette und üblicherweise das Instrument für den Anfang. Die kleinere Eb-Klarinette klingt eine Quarte höher als ihr großer Bruder, die Bb-Klarinette. Die A-Klarinette ist einen Halbton tiefer und klingt weicher als die Bb-Klarinette. Tiefere Klarinetten sind die Altklarinette in Eb (oder F), eine moderne Form des Bassetthorns, die Bass-Klarinette in Bb, die Kontraalt-Klarinette in Eb, die Kontrabass-Klarinette in Bb.

Auf dem Blog-Beitrag "Bolero-Video" sind Bb-Klarinetten und eine Kontraalt-Klarinette zu sehen und zu hören.

Musikkultur und Musikstilistik

Die Klarinette ist ein europäisches Instrument, das ab ca. 1700 in der Musik vom Soloinstrument bis zum Orchesterinstrument zum Einsatz kommt. In der Bläserkammermusik ist sie in fast jeder Besetzung vertreten. In Blasorchestern übernehmen bei symphonischen Werken Klarinettengruppen häufig die Geigenstimmen. Sie werden dort auch für schnelle Solopassagen verwendet. In der Popmusik hört man sie sehr selten. In der Folkmusik (Folklore, traditionelle volkstümliche Musik) wird sie in der osteuropäischen und alpenländischen Volksmusik und in der Klezmermusik eingesetzt. In den frühen Jazzstilen, Dixieland und New Orleans Jazz, spielte die Klarinette eine sehr wichtige Rolle, die sie sehr populär machte. Während der Big-Band Ära (30er und 40er Jahre des letzten Jahrhunderts) wurde die Klarinette von den Saxofonen verdrängt.

Die Notenzeile zeigt zuerst den klingenden Tonumfang des Instrumentes. Dann siehst Du den notierten Tonumfang. Rechts in der Notenzeile steht ein c2, das mit dem Instrument gespielt den danach folgenden Ton erklingen lässt (siehe klingend notierte und transponierende Instrumente).